BAD NEUSTADT

Japaner erforschen Energiewende

Mit vielen Informationen und Präsenten versehen verabschiedeten sich die Gäste aus Japan von dem Leiter der ...

Im Bioenergiedorf Großbardorf und in Unsleben waren schon oft Gäste aus Japan, um sich vor Ort genossenschaftliche Modelle und Umsetzungsmöglichkeiten für erneuerbare Energien anzuschauen, so auch zu Beginn dieser Woche. Drei Professoren aus Japan waren nun zum ersten Mal im Landratsamt, um sich mit strukturellen Fragen zu beschäftigen. Wie kann die Energiewende gelingen, wie baut man Strukturen auf, wie gewinnt man private Investoren, welche Weichen muss die Politik stellen? An diesen und weiteren Fragen waren die Gäste interessiert, die vom Leiter der Stabsstelle Kreisentwicklung, Dr. Jörg Geier, empfangen wurden.

Nach Beschädigung und Explosion des Kernkraftwerks in Fukushima wollen viele Japaner mehr in die ungefährlichen erneuerbaren Energien einsteigen, deshalb interessieren sich die Professoren auch für die Gesamtauswirkungen auf die Wirtschaft in der Region. Was in Japan Konflikte erzeugt, ist das undurchsichtige Vorgehen der Planungsbehörden. Plötzlich werde eine Anlage in der Nachbarschaft gebaut und keiner hat vorher etwas gewusst, berichtete Toshikazu Yamakawa von der Shimonoseki City University. Die Gemeinden hätten zu wenig Einfluss auf die Planungen.

Warum das in Deutschland aufgrund der Genehmigungsstrukturen nicht passieren kann, erklärte Jörg Geier, der die Informationsveranstaltung mit Hilfe einer Landkreis-Präsentation durchführte. Professor Yamakawa und sein Begleiter Takafumi Matsumoto, Professor an der gleichen Wirtschafts-Universität, waren schon mehrmals im Landkreis, Fujiya Takeshi ist Soziologie-Professor an der Kurume Universität und war zum ersten Mal in Deutschland. Übersetzerin Riho Taguchi aus Hannover kämpfte sich durch die vielen Fachbegriffe und übermittelte die Daten und Fakten an die Gäste.

Das Landratsamt sei ein Vermittler und Schaffer von Rahmenbedingungen, erklärte Geier. Für Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen sei 1999 ein Energiekonzept aufgestellt worden, das 2000 ein Update erfahren habe. Die Prognosen seien auch so eingetroffen, so Geier.

Aus der Bestandsanalyse sei hervorgegangen, dass der Landkreis Potenzial für Biogasanlagen habe, inzwischen gebe es mehrere Anlagen, hauptsächlich in der Hand von Genossenschaften, die gut und effizient laufen. Monokulturen gebe es deshalb aber nicht. Viele Photovoltaikanlagen, auch als Freiflächenanlagen, wurden bereits genossenschaftlich oder privat gebaut, dazu kommen inzwischen Windkraftanlagen, für die besondere Flächen ausgewiesen wurden. Dass es Flächennutzungs- und Bebauungspläne gibt, die für jedermann einsehbar sind, großen Projekten Workshops und Informationsveranstaltungen vorangehen, erklärte Geier.

Eine Folge der Ernennung zur Elektromobilitätsstadt sei die Einrichtung eines Standorts der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt in Bad Neustadt, die örtlichen Unternehmer stellen Bestandteile für Elektrofahrzeuge her, es wird geforscht und weiterentwickelt beispielsweise bei Speichersystemen, und es werden Techniker und Meister ausgebildet, die für die Wartung von E-Fahrzeugen besonders geschult sind. Die jährliche Elektromobilitätsschau erwähnte Geier, Smart-Grit-Konzepte, bei denen die E-Autos als Speicher dienen, um Spitzenlasten in Betrieben abzufedern und vieles mehr. Am Ende überreichte Geier den Gästen Bücher als Präsente, sie bedankten sich für den ausführlichen Vortrag.

Für den Soziologen Takeshi war unter anderem interessant, dass in Franken aufgrund der üblichen Real-Erbteilung (jeder Erbberechtigte erhält den gleichen Anteil) die Zusammenarbeit schon immer großgeschrieben wurde. Mit winzig kleinen Parzellen, die in der Flur und im Wald teilweise entstanden, konnte man sonst nicht viel anfangen. Takeshi hatte zum ersten Mal eine Studienreise nach Deutschland unternommen und fand alles „beautiful“, vor allem die schöne Landschaft hat es ihm angetan. Toll findet er besonders das Bier und den Käse. Knödel hat er als Besonderheit hier zum ersten Mal gegessen. Die Gäste fuhren am nächsten Tag nach München und von dort aus ging es Richtung Heimat.