Jahresrückblick

Aus!
_

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

schon wieder geht ein Jahr zu Ende. Und was für eines! 2017 war geprägt von nachhaltigem Wachstum. Die Eckdaten: Die Weltbevölkerung erreicht kurz vor Börsenschluss einen Wert von 7,59 Milliarden. Das sind etwa 78 Millionen mehr als zu Jahresbeginn. Ein neues Allzeithoch! Auch der DAX legte im Jahresverlauf kräftig zu. Zurzeit pendelt er bei 13.050 Punkten. Die Zahlen stimmen optimistisch! Ebenfalls im Plus lagen deutsche Waffenexporte, Erderwärmung und globaler Kohlendioxidausstoß. Letzterer zog nach kurzer Stagnation wieder deutlich an. Es geht voran; wir sind gut aufgestellt! Genau wie die Kegel.

E-Mobilität

Wie verlief 2017 für die Heimat? Größtenteils harmlos. Die Granden vermeldeten unablässig Erfolge; die Ureinwohner lebten satt und sicher, hatten aber an Vielem etwas herumzunörgeln. Auch im Landkreis dominierte das Wachstum: In der Herschfelder Falltorstraße stieg das Verkehrsaufkommen nach der Eröffnung der NES 20 um drei Prozent. Wer Straßen sät, erntet Verkehr! Man sollte sich künftig gut überlegen, ob man wirklich noch mehr Steuergelder für Straßen zum Fenster hinauswirft, die angeblich „Entlastung“ bringen.

Zumal die Tage des Verbrennungsmotors ja gezählt sind. Im Landkreis waren Ende des Jahres 68.696 Kraftfahrzeuge angemeldet. 1.231 mehr als ein Jahr zuvor. Und das bei sinkender Einwohnerzahl. Der Anteil an reinen Elektrofahrzeugen stieg auf schwindelerregende 1,6 Promille.

Zum Vergleich: Dieselfahrzeuge legten in Rhön-Grabfeld im letzten Jahr um 4,4 Prozent zu. Keine Panik! Die Provinz hinkt den Trends nun Mal hinterher. Der Ureinwohner heizt ja auch noch gerne mit Holz. Und auf eine elektrische E-NESSI warteten wir auch 2017 vergeblich. Ob dieses „Godot-Projekt“ wohl noch vor dem Berliner Hauptstadtflughafen in Betrieb geht? Alles nur eine Frage der Zeit. Wenn demnächst die Steuervorteile für Diesel endlich abgeschafft werden, nimmt auch bei uns die Zahl der Dreckschleudern schlagartig ab. Der Ureinwohner gilt als knickrig!

Apropos „Dreckschleudern“: Der aus Unsleben stammende Kabarettist Thomas Pigor fordert in seinem jüngsten „Chanson des Monats“ im SWR2 die rigorose soziale Ächtung von SUV-Fahrern und Fahrerinnen. So macht Mobbing Spaß! Titel des genialen Stücks: „Iiiih ein SUV“. Auf gut Fränggisch: „Iiiih - ein Es-Ju-Vieh“. Unbedingt googeln!

Campus

Auf der Baustelle des neuen Rhön-Klinikums hat sich im Jahresverlauf einiges getan. Sämtlichen rumänischen Bauarbeitern gehört eigentlich der Bayerische Verdienstorden verliehen. Ihre Wohncontainer stehen jetzt nicht mehr auf einem Schrottplatz. Man hat sie auf das unbefestigte Gelände hinter den Herschfelder Sportplatz verbannt, wo sie nicht weiter stören. Bei jedem Wetter bis in die Nacht hinein schwer arbeiten. Große Scheinwerfer tauchen dann den so genannten „Campus“ weithin sichtbar in gleißendes Licht. Licht und Schatten! Die vom Baustellenverkehr gebeutelten Herschfelder haben aus verständlichen Gründen jede Freude an dem Neubau verloren. Ihnen sind sogar die Arbeitsplätze „wurscht“.

Die Bilanz der Rhön-Klinikum-AG fällt dagegen auch in diesem Jahr wieder glänzend aus. Nachhaltiges Wachstum! Schade nur, dass sich „Dr. Watson“, das innovative IT-Diagnose-Trallala, nicht durchgesetzt hat, obwohl es doch laut Angaben der Konzernleitung ein „Riesenerfolg“ war. Nachdem die visionäre Konzernspitze im Rahmen von „Industrie 4.0“ bereits Ärzte durch effiziente Computer ersetzt hat, geht man Gerüchten zufolge konsequent den nächsten Schritt: Die Rede ist vom digitalen Vorstand (diVor). Jawohl!

Internationale Studien belegen, dass auf künstliche Intelligenz (KI) basierende Systeme weitaus weniger Fehler machen als Vorstandsmitglieder aus Fleisch und Blut. Voraussetzung sei allerdings ein perfekter Daten-Flow. „Dr. Flow“, so der Arbeitstitel des „diVor“, trage außerdem zu einer enormen Einsparung von Personalkosten bei. Das stärke die Wettbewerbsfähigkeit und komme letztlich den Aktionären zugute. Der Mensch steht im Mittelpunkt! Man muss sich das vorstellen.

Windkraft

Im September wurde bei Heustreu der erste große Windpark im Landkreis eingeweiht. Trotz des erbitterten Widerstands einiger Heimatschützer trägt jetzt auch Rhön-Grabfeld seinen Teil zur Energiewende bei. Leider konnte unser Landrat dem historischen Ereignis nicht persönlich beiwohnen. Nicht weil er einen schlechten Verlierer abgeben wollte, ach wo! Er hatte ganz einfach wichtigere Termine. Schade! Sonst hätte er sich vor Ort davon überzeugen können, wie majestätisch und leise sich die riesigen Rotoren im Wind drehen. Den Spargeln gehört die Zukunft! Geschredderte Vögel hat man bislang übrigens noch nicht gefunden.

Mal Klartext: Ob Kohle, Biogas, Atom oder Wind – sämtliche Arten der Energieerzeugung werden subventioniert. Aber Windkraft ist am wirtschaftlichsten! Wer baut denn noch Gaskraftwerke? Nicht ohne Grund will Siemens seine Gasturbinenwerke in Offenbach und Berlin schließen. Vielleicht geht im neuen Jahr ja endlich auch der Windpark bei Wülfershausen ans Netz. Dann verfehlt Bayern seine Klimaziele nicht ganz so „granatenmäßig“.

Nationalpark

Keine Entscheidung brachte das zu Ende gehende Jahr in einer anderen Schicksalsfrage: Ob es einen „Nationalpark Bayerische Rhön“ (NP3) geben wird, steht – zumindest offiziell – noch nicht fest. Aber nachdem sich unser Landrat endlich auf die Seite der Befürworter geschlagen hat, sieht es ganz danach aus. Schon die Wahl der Locations für die jüngsten Informationsveranstaltungen sagt viel aus: Während sich die Befürworter im festlichen Rossini-Saal in Bad Kissingen zusammenfanden, trafen sich die Gegner in dem doch sehr dörflichen Schönauer Sportheim. Welche Symbolik! Dort erklärte auch irgendein BWL-Professor, dass der NP3 exakt 545 Arbeitsplätze gefährde. Das entspricht so ziemlich genau der Mitgliederzahl jenes Contra–Vereins, der sich „Unsere Rhön - gemeinsam stark“ nennt. Zufall?

Hoffentlich sehen unsere Granden im neuen Jahr ein, dass Diskussionen auf Sachebene nichts bringen. Jedem Argument der „Pros“ setzen die „Contras“ neue alternative Fakten entgegen. Jeder hört nur das, was die eigene Meinung bestärkt. Die Folge: endloses Palaver. Blablabla. Das Thema wird regelrecht zerredet. Im November zeigte dann die „nachhaltige naturnahe Forstwirtschaft mit integriertem Naturschutz“ einmal mehr ihr wahres Gesicht: Im Wald bei Langenleiten hatte ein Lohnunternehmer den Premiumwanderweg „Hochrhöner“ auf einer Strecke von 1.000 Meter in eine Schlammwüste verwandelt. Und zwar nachhaltig. Im NP3 wäre das nicht passiert!

Bleibt zu hoffen, dass unser künftiger Landesvater, der Franke Markus Söder, sich nicht von 545 Anrainern, sondern von Millionen seiner fränkischen Landeskinder leiten lässt; dass er noch vor der Wahl mit der Faust auf den Tisch haut und in breitestem Mittelfränkisch brüllt: „Edzerdla langt?s! Der NB3 kommt nauf die Rhön – un basta. Un wenn?s denne Doldi net basst, dann solln‘s mich beim nächsd‘n Mal hald nimmer wähl‘n!“ So stellt man sich repräsentative Demokratie vor.

Wenn sich „der Neue“ das traut, könnte man ihn glatt wählen. Aber er traut sich nicht – wetten? Der nicht. Allmächd!

Innenstadtentwicklung

Die Hoffnungen, die man in den sündteuren „Brückenschlag“ über die Brend gesetzt hat, haben sich bislang nicht erfüllt. Die Ära des Einzelhandels in der Innenstadt neigt sich ihrem Ende entgegen. Amazon gewinnt; der Kunde will es. Schade! Im Dezember haben sich dm und Fernseh-Streit verabschiedet. Auch C&A soll seinen Mietvertrag Gerüchten zufolge nicht verlängern wollen. Dafür feiert die neue Stadthalle, die man in diesem Jahr eingeweiht hat, einen Triumph nach dem anderen. Die meist restlos ausverkauften Veranstaltungen sind passgenau auf die demografische Zielgruppe zugeschnitten. Die Rezensionen gleichen sich: Da „schmelzen Herzen dahin“; da folgt dem „erwartungsvollen Raunen“ des Publikums „ergriffenes Lauschen“. Und niemals, niemals vergessen die Künstler „den Rahmen“ der Veranstaltung zu würdigen.

Es ist eine Schande, dass dieser Prachtbau nur einen Architekturpreis abgeräumt hat. Noch dazu einen, den kein Mensch kennt. Die neue Stadthalle hätte mehr verdient, „so unendlich viel mehr“, um es im Stil der Rezensenten auszudrücken. Nein, auch Skeptiker müssen eingestehen, dass die „Tourismus und Stadtmarketing Bad Neustadt GmbH“ ganz hervorragende Arbeit leistet. Da spürt man Engagement und vor allem – „Teamgeist“. Ja, oder nicht? Weiter so!

Sparkassenaffäre

Im Oktober wurde unser schönes Industriestädtchen von der so genannte „Sparkassen-Affäre“ erschüttert. Die übermütigen „Roten“ stellten im Kreisrat den Antrag, das traditionelle „Abschlussessen“ künftig nicht mehr von der Sparkasse ausrichten zu lassen. Ja geht?s noch! Warum sollen sich unsere Kreisräte denn nicht einmal im Jahr auf Kosten der kleinen Sparer so richtig satt essen? Und was bitteschön hat das mit „Bestechung“ zu tun? Der Klassenkampf lässt grüßen! Dabei geht es um Peanuts: 3.400 Euro. Pro Jahr. Trotzdem wurde diese Bagatelle von polemischen Schreiberlingen zu einer Affäre aufgebauscht, die zur reinsten Neiddebatte eskalierte.

Wütende Leserbriefschreiber riefen zu einer Spendenaktion zugunsten „bedürftiger Kreisräte“ auf. Ausgerechnet die Sparkasse hätte sogar schon ein Spendenkonto eingerichtet, hieß es.

Außerdem kursierten plötzlich die tollsten Gerüchte über Besoldungsstufen von Landräten (B5) und die erlesene Menü- und Weinauswahl bei besagter After-Work-Party. Von „Beluga Kaviar“ war da die Rede, von „Château Mouton Rothschild 2003“ und „Poulet en croute de pain“. Unser Landrat hat völlig Recht, wenn er darauf verweist, dass es gegen ein „kleines Dankeschön“ für ehrenamtliche Tätigkeit nichts einzuwenden gibt. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie viele Stunden unsere Kreisräte alljährlich für die Sparkasse buckeln. Ehrenamtlich, versteht sich! Natürlich wurde der scheinheilige Antrag abgelehnt. Das wäre ja noch schöner.

Dass die Schwarzen mit kleinen Gesten der Dankbarkeit keine Probleme haben, wundert niemanden. Eine Hand wäscht die andere. Aber dass ausgerechnet die Fraktionsvorsitzende der Grünen, die noch dazu den Antrag der Roten unterstützt hatte, hinterher bei jenem fragwürdigen Diner trotzdem tüchtig zulangte, mutet schon einigermaßen bizarr an. Wahrscheinlich färbt das schwarze Umfeld ab. Beschenkt werden heißt, es sich auf Kosten anderer gut gehen lassen. Auch ohne Gegenleistung. Denn gerade darin liegt ja das Wesen des Geschenks. Der weihnachtliche Kreis schließt sich: Machen Sie es in diesen Tagen wie unsere Kreisräte; lassen Sie sich beschenken!

Frohe Weihnachten für Sie und Ihre Familie!