Fair Mobbing

Aus!
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In der Heimat bestimmt die Digitalisierung zunehmend den Alltag. Sicher, zurzeit werden in unserem schönen Industriestädtchen gerade einmal drei Prozent aller Familien durch die IT-Assistentin „Alexa“ betreut. Und in MET oder KÖN sieht es noch schlechter aus. Keine Panik! Die digitale Hysterie schreitet unaufhaltsam voran. Schon in wenigen Jahren dürfte es auch unter Rhön-Grabfeld-Kids als absolut „uncool“ gelten, wenn sich „Old School-Eltern“ weigern, „Alexa“ ins Haus zu holen. Die mögliche Folge: Mobbing.

Nun darf man nicht den weit verbreiteten Fehler begehen, das Phänomen „Mobbing“ generell zu verteufeln. Es kommt immer darauf an, was man daraus macht. Nicht umsonst fordert Bayerns Bildungsminister Ludwig Spaenle (CSU) dazu auf, sich für die Digitalisierung „zu begeistern“. Cyber-Mobbing stellt für Kinder eine Chance dar, ihre Aggressionen lustvoll zu kanalisieren und sich spielerisch ihren Platz in einer konsumorientierten Leistungsgesellschaft zu erobern.

Starke Kinder wollen sich ausprobieren, ihre Kräfte messen, ihr „Ich“ entfalten. Ich, Ich, Ich! All das ist Voraussetzung für Erfolg im Berufsleben. Bei verantwortungsbewusstem Mobbing trainieren sie außerdem Medien- und Sozialkompetenz. Sie erkennen, dass man im Team jeden noch so doofen Außenseiter schlagen kann. Wichtig dabei: Eltern sollten immer wissen, was ihre Kids gerade treiben und ihnen dabei unterstützend zur Seite stehen.

Natürlich kann es passieren, dass die Kleinen selbst in die Opferrolle geraten. So ist das Leben! Auch diese Erfahrung müssen Kinder irgendwann machen. Eine kurze Inspektion beim Hausarzt, ein bisschen Ritalin – schon funktioniert das „Opfer“ wieder. In hartnäckigen Fällen hilft die Kinder- und Jugendpsychiatrie Unterfranken. Wenn noch Plätze frei sind. Im Grunde ist das alles doch nichts Neues. Schon in der „guten alten Zeit“ rauften sich Schüler auf dem Pausenhof. Schon damals beschimpften sie sich in kindertypischer Direktheit als „Brillenschlange“ oder „Fettsack“. Na und? War das besser? Die Gesellschaft sollte ein Beispiel für „faires Mobbing“ abgeben!

Als Opfer eignen sich idealerweise SUV-Besitzer. Sie haben es verdient. Da stehen auf der einen Seite Millionen hart arbeitender Menschen, die sich nichts sehnlicher wünschen, als künftigen Generationen einen intakten Planeten zu hinterlassen. Und auf der anderen tummeln sich ein paar übermütige Egoisten, die fest entschlossen sind, ihrem hedonistischen Lebensstil buchstäblich alles zu opfern. Sie bestreiten – genau wie Donald Trump – die Existenz des vom Menschen verursachten Klimawandels. Selbst dann noch, wenn sämtliche lebenden Nobelpreisträger das Gegenteil behaupten.

Es wird höchste Zeit, sie endlich aus ihrer Komfortzone zu scheuchen. Dabei darf es keine Rolle spielen, um welchen Fahrer-Typ es sich handelt: Den debilen Yuppie (Typ 1), den präpotenten Macher (Typ 2) oder die solvente Aktivseniorin, der ihr Mutti-Panzer ein Gefühl von „Sicherheit“ verleiht (Typ 3). Alle drei verderben unser Klima und verstopfen unsere Straßen. Alle drei blockieren mit ihren fetten Zweitonnern frech unsere Parkplätze.

Warum richtet man nicht endlich spezielle SUV-Parkplätze ein, die mehr kosten, ganz, ganz weit hinten liegen und schlecht beleuchtet sind? Man könnte sie mit Schildern kennzeichnen, auf denen in brauner, altdeutscher Schrift „Old School“ steht. Mobbing für die gute Sache! Man könnte über Tempolimits für technische Fehlentwicklungen nachdenken oder die KFZ-Steuern für SUV stufenweise an die Erderwärmung anpassen. Und warum werden eigentlich nur Alkoholsünder zum „Idiotentest“ geschickt? Warum nicht auch Klimasünder? Kein SUV ohne MPU! Man muss sich das vorstellen.