Leser schreiben uns: Spektakuläre Sirenen in Strahlungen

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Die Redaktion erreichte folgender Leserbrief:

„Stell dir vor, die neue Sirene heult und keiner hört sie. Dieses Problem beschäftigt Strahlungen nun schon seit geraumer Zeit. Wurde doch – obwohl die alte Anlage lautstark funktionierte – eine neue angeschafft. Elektronisch sollte sie sein, teuer, stylisch, schick – wie es sich gehört für eine moderne, emporstrebende Gemeinde, die in allem 'up to date' sein will.

Nun liegt der Zweck einer Sirene darin, akustisch durch einen Heulton zu alarmieren. Wichtigstes Qualitätsmerkmal ist also die Hörbarkeit. Eine Sirene, die man beim Heulen nicht hört, ist demnach zwecklos. Tja, dumm gelaufen. Aber was sollte man tun, nun war sie ja gekauft. Das war er, der erste Streich, doch der zweite folgt zugleich.

Der Rat rang um einem Ausweg aus dieser misslichen Situation und fasste schließlich folgenden überraschenden, äußerst fragwürdigen Entschluss: Wir schaffen einfach eine zweite elektronische, teure, stylische, schicke Sirene gleicher Bauart an, denn zwei Sirenen sind lauter als eine. Pfiffig und schlau behielt man sich allerdings vor, die alte Sirene sicherheitshalber aufzuheben, schließlich heult sie ja alleine lauter als die beiden neuen zusammen.

Auf diesen zweiten Streich folgt sofort der dritte Streich. Standort für die zweite Sirene soll der Kirchturm sein, denn – da war sich der Rat einig – aus dieser exponierten Position könne sich ihr Schall bestmöglich entfalten. Endlich war es so weit. Jüngst frohlockte die Gemeindeführung öffentlich, die Sirene werde zukünftig auf eben diesem Kirchturm thronen. Mit stolzgeschwellter Brust wurde dem Volk mitgeteilt, die Kirche habe ihre Zustimmung gegeben. Kaum in der lokalen Tagespresse veröffentlicht, folgte prompt ein kirchliches Dementi. Herr Pfarrer Fuchs stellt im aktuellen Pfarrbrief klar, dass die erforderliche Genehmigung der Kirchturmsirene seitens des Bischöflichen Ordinariats überhaupt nicht vorliegt.

Diese Entwicklung im Strahlunger Sirenen-Schlamassel empfinde ich äußerst besorgniserregend. Zwar gehe ich (noch) nicht davon aus, dass die Gemeindeführung wissentlich, willentlich und absichtlich 'alternative Fakten' benannte. Dennoch möchte ich anmerken, dass nachvollziehbare Entscheidungen und Glaubwürdigkeit hohe Werte darstellen, die es einzuhalten gilt, damit das Vertrauen der Bürger/-innen in die Politik nicht weiter kontinuierlich abnimmt.“

Bettina Nöth,

Strahlungen