Aus!

Aus!
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Die Nachricht traf die Heimat wie ein Keulenschlag: Einen „Nationalpark Rhön“ wird es nicht geben. Aus! Unser künftiger Landesvater, der Mittelfranke Dr. Markus Söder, knickt ein, nur weil eine unselige Allianz aus Hobby-Holzhackern, Waidmännern und Staatsforst-Fans ein paar Unterschriften gesammelt hat. Keine astronomischen Zahlen, nein, nicht einmal 12.000 Unterschriften haben genügt, den Traum unseres Landrats platzen zu lassen. Eine Jahrhundert-Chance für unsere Heimat wird vertan. Kommende Generationen werden es uns danken.

Fragen Meinungsforscher die Menschen auf den Straßen unseres schönen Industriestädtchens danach, was sie mit dem Begriff „Nationalpark“ verbinden, kommen mehrheitlich positive Antworten: Es fallen Begriffe wie „Abenteuer“, „Romantik“ oder „Wildnis“. Fragt man dagegen nach einem „Biosphärenreservat“, fallen die Reaktionen weit weniger emotional aus: „Hammelzucht“, „Entbuschungsprämie“ oder „Schwedengögger“. Und wo würde der typische Neuschter wohl lieber seinen Urlaub verbringen? Wo? Na also. Aber den NP3-Gegnern liegt ja nichts daran.

„Konservativ“ kommt von „Konservieren“. Die Zukunft gehört dem Dieselmotor. Und dem Brennholz. Warum immer aus allem „etwas machen“? Den „Contras“ ist wichtig, dass alles so bleibt wie es ist. Auch dann, wenn die Anzahl der Landkreisbewohner in ein paar Jahren die magische Grenze von 74.000 unterschreitet. Andererseits: Noch leben in Rhön-Grabfeld ja fast 79.000 Menschen. Ist die schweigende Mehrheit wirklich gegen den „NP3“? Wird die Rechnung von Dr. Markus Söder aufgehen? Wie reagiert Oberbayern? Dort gelten Franken ja bekanntlich als „Saupreißn“.

Vielleicht geht der Schuss nach hinten los! Kein Zweifel: Die CSU hat auf „Wahlkampfmodus“ umgeschaltet. Jetzt werden die großen Versprechungen gemacht: Steuern runter – Renten rauf. Noch vor dem Bürgerbegehren der Freien Wähler hat man schnell noch die Straßenausbaubeiträge für Anlieger abgeschafft. Was für ein Zufall! Wie man die ganzen Wohltaten umsetzen soll, wird später geklärt. Nach der Wahl. Notfalls macht man eben alles wieder rückgängig. Na und?

„Sprüchbeutel“, heißt es in Franken. Der Schlingerkurs einer Volkspartei: Erst groß einen Nationalpark versprechen – und sich dann wegen ein bisschen Widerstand in die Hose machen. Erst Kahlschlag beim sozialen Wohnungsabbau – und dann „Bayernheim“. Erst G8 – und dann doch wieder G9. Erst bei der Windkraft vorpreschen – und dann die 10H-Regel einführen. Erst Klimaziele stecken – und sie dann kippen. Erst die „Ausländer-Maut“ einführen – und sie dann nicht durchsetzen können. Erst die Glyphosat-Genehmigung verlängern – und dann auf Bio machen. Und so weiter, und so weiter.

Die konservative Leitlinie: Hü & Hott. Angewandter Populismus. Sogar die Parolen sind nur abgekupfert: „Bayern zuerst!“ Donald Trump hat auf sein „America first“ ja kein Patent angemeldet. Und jetzt also das „Aus“ für den Nationalpark. Armer Landrat! Nichts klappt. Nur Windkraft und SuedLink. Kein Wunder, dass er sich auf Brüssel freut! Aber im Gegensatz zu seinem Bad Kissinger Amtskollegen hatte er wenigstens den Mut, Stellung zu beziehen. Was mag jetzt wohl in ihm vorgehen?

Die CSU ist in Bayern seit 60 Jahren an der Macht. Das spürt man! Sie will die 100 voll kriegen. Franz Josef Strauß – die Jungen wissen gar nicht mehr, wer das war – hätte auf dem Nockherberg, nach fünf Maß Starkbier, auf 100 Jahre CSU-Herrschaft gewettet. Jawohl! Vor Zeugen. Bayern ist das beste Bundesland der Welt. Grund dafür sind nicht etwa seine eigensinnigen, freiheitsliebenden und tüchtigen Menschen, nein, es ist ganz alleine die CSU. Man muss sich das vorstellen.