BAD NEUSTADT

Digitales Schaufenster für Einzelhändler

Das sieht der Einzelhändler gern: Kunden in der Innenstadt. Damit das auch in Zukunft so bleibt, diskutierten Bad ...

Eigentlich ging es um nichts Geringeres als die Zukunft des Bad Neustädter Einzelhandels und damit auch um die Lebendigkeit von Bad Neustadts Innenstadt. Doch die Resonanz beim zweiten Einzelhändlertreffen in der Stadthalle war relativ gering: Nur zwölf der circa 150 Einzelhändler in Bad Neustadt waren in die Stadthalle gekommen, um mit zu diskutieren.

Beim ersten Treffen der Einzelhändler waren es laut Gastgeber Michael Feiler, Geschäftsführer der Tourismus und Stadtmarketing GmbH, mit 40 Teilnehmern noch mehr Interessenten gewesen. Die diesmal relativ geringe Teilnehmerzahl beunruhigt ihn nicht: „Wir sind in einem Prozess, für den wir uns Zeit nehmen.“

Was wünschen sich die Händler?

Ihm sei es zunächst einmal wichtig gewesen, Rückmeldung zu bekommen, in welche Richtung der Weg der Einzelhändler gehen könnte. „Ich will da nichts überstülpen“. so Feiler. Am Ende des Abends habe er eine mögliche Marschrichtung erkennen können. Im September 2017 war erstmals über die Möglichkeit gesprochen worden, sich als Bad Neustädter Einzelhandel gemeinsam im Internet zu präsentieren. Beispielhaft war den Händlern damals das Projekt „GoCoburg“, das Online-Schaufenster von Coburgs Einzelhandel, präsentiert worden.

Dass Bad Neustadt künftig auch digital als Einkaufsstadt auftreten muss, darüber waren sich auch bei diesem zweiten Treffen alle einig. Das „Wie“ allerdings bereitete Kopfzerbrechen. Auch wurde Skepsis laut, ob eine solche Internet-Präsenz Umsatz und Kundenfrequenz wirklich nachhaltig stabilisieren und steigern würde.

Michael Feiler ist überzeugt, dass sich eine Einkaufsstadt digital aufstellen muss. Im besten Falle natürlich, um mehr Kunden in das Geschäft vor Ort zu locken. Das Problem, resümierte er am Tag nach der Veranstaltung, ist in seinen Augen aber ein viel grundlegenderes: „Es geht nicht um Umsatzsteigerung, es geht ums Überleben.“

Besorgniserregend war denn auch die Statistik, die Feiler zu Beginn der Diskussion am Abend vorlegte. Demnach war die Kundenfrequenz deutschlandweit in den ersten Wochen 2018 deutlich niedriger als vor einem Jahr. „Trotz Winterschlussverkauf bleibt der Kunde dem Einzelhandel fern“, fasste Feiler den deutschlandweiten Trend zusammen. Gemeinsam mit Lena Al-Bayati vom Stadtmarketing präsentierte er beispielhaft die Konzepte anderer Städte, online Präsenz zu zeigen. „GoCoburg“, das Projekt der Coburger Einzelhändler, ist eine reines Online-Schaufenster ohne integrierten Online-Shop. Die Händler stellen sich vor, auch aktuelle Angebote und Veranstaltungen werden täglich eingepflegt.

Heilbronn hat über „Mein Heilbronn“ in Zusammenarbeit mit dem Dienstleister Atalanda einen lokalen Online-Shop aufgebaut, über den online bestellte Produkte aus Heilbronn noch am selben Tag nach Hause geliefert oder vor Ort abgeholt werden können. Da stelle sich allerdings die Frage, ob Aufwand und Ertrag im Verhältnis zueinander stünden, so Feiler.

Angebote per Handy-App

Mönchengladbach hat sich der City-Initiative von Ebay angeschlossen. Ebays Ziel ist es mit diesem Projekt eigenen Angaben zufolge, „die Grenzen zwischen stationärem Handel und Online-Shopping aufzulösen“. Ob das immer zum Wohle des Einzelhandels vor Ort passiere, da äußerten Al-Bayati und Feiler Zweifel. Entscheide man sich für die Ebay-Variante, sei das wohl nur sinnvoll, wenn die Händler dann auch einen Großteil ihrer Produkte bei dem Portal einpflegen.

Am Ende präsentierte Feiler die Firma „AppyVenues“, die Kunden über individuelle Infos und Angebote per Handy-App in den Laden vor Ort führen möchte. Größte Hürde in Feilers Augen: Der Kunde müsse zunächst einmal dazu gebracht werden, diese App auf sein Handy zu laden. Auch die Kosten einer solchen Lösung für den Auftraggeber habe man trotz Nachfragen nicht konkret eruieren können

In der anschließenden Diskussion kristallisierte sich schnell heraus: Einen eigenen Online-Shop braucht Bad Neustadt nicht. Die derzeitige Präsentation der Einzelhändler sei aber auch nicht mehr zeitgemäß, so die Meinung der Gruppe. Bislang hatte man auf der Tourismus- und Stadtmarketing-Seite einfach den in Papierform produzierten Einkaufsführer mit der Einzelhändlerliste auch online zum Durchblättern eingestellt. Das müsse künftig ästhetischer und intuitiver werden.

Uneins waren sich die Händler vor Ort noch, ob es sinnvoll wäre eine eigene Website oder eine Unterwebsite zur Tourismus- und Stadtmarketing-Seite zu generieren. Dazu möchte Feiler auch im Hinblick auf das Thema Suchmaschinenoptimierung den Rat eines Experten hören.

Offen ist auch weiterhin, ob eine statische Präsenz der Händler genügt oder ob darüber hinaus aktuelle Angebote etwa auf einer Startseite hinzu kommen sollen. „Eine statische Präsenz ist einfach und pflegeleicht, aber nicht attraktiv für die Besucher“, so Feiler. Entscheide man sich für eine Variante, die regelmäßiger Pflege bedarf, müsse das extern vergeben und über die Finanzierung nachgedacht werden. Feiler hofft da einerseits auf Unterstützung von Seiten der Kommune, allerdings müssten wohl auch die Einzelhändler selbst einen Beitrag leisten.

Die Frage der Kosten

„Was würde das kosten?“ Das komme auf die Art der Plattform an. Bevor er kalkulieren könne, müsse klar sein, welche Standards man sich erhoffe. Dass es an den Kosten scheitern würde, sagte Feiler letztlich auch im Nachgespräch, glaube er nicht und spricht von einer für den einzelnen Händler überschaubaren Summe. Dafür müsste ein „vernünftiges, realistisches System“ erarbeitet werden. Das Einzelhändlertreffen soll künftig verstetigt werden. Als nächstes ist ein gemeinsames Frühstück im Café Elbert geplant. Bis dahin freue er sich über weitere Rückmeldung von Einzelhändlerseite. Gelegenheit zur Diskussion über die digitale Zukunft der Einzelhändler soll es auch bei der Mitgliederversammlung des Stadtmarketing Ende Februar geben.