CSU

Die große Illusion
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Keine Institution hat die Heimat so geprägt wie die CSU. Die CSU ist weit mehr als eine Partei. Sie ist Lifestyle. Neben Neigungsgruppen für Feuerwehr und Fußball findet sich noch in den abgelegensten Käffern ein Ortsverein der „Schwarzen“. Er gehört gewissermaßen zur provinziellen Grundausstattung.

Die CSU nicht zu wählen, galt bei uns bis vor wenigen Jahren als Sünde. Die Geschichte der CSU ist eine Erfolgsstory. Sicher, Pkw-Maut und Obergrenze haben nicht geklappt. Aber dafür war die 10H-Regel unseres Noch-Landesvaters Horst S. der Knaller. Denken Sie an unseren künftigen Nationalpark oder das G8. Sowohl seine Einführung, als auch seine Abschaffung waren Erfolge. Und würden bei bezahlbaren Mieten nicht noch viel mehr junge Menschen aus unserem schönen Industriestädtchen nach München flüchten? Der Kahlschlag im sozialen Wohnungsbau – ein Strukturförderprogramm. Denken Sie an das avantgardistische Parteibüro in der Hohnstraße, an „Dr.“ K. T. zu Guttenberg in seinem „Think Tank“ – und an den Glyphosat-Skandal. Der Verbraucher steht im Mittelpunkt. Das Landwirtschafts-Ressort passt ja schon von Haus aus gut zur CSU. Aber Bundesminister Christian Schmidt schießt den Vogel ab. Sein Habitus verkörpert in idealer Weise die moderne Agro-Industrie. Der Jurist wirkt authentisch bäuerlich. So macht Lobby-Arbeit Spaß.

Kein Zweifel: Bayern ist das beste Bundesland der Welt. „Mir san mir“. Und wer glaubt, das liege nur an den tüchtigen Ureinwohnern, irrt. Nein, ohne die CSU stünden wir Unterfranken noch schlechter da als die „Ossis“. Zugegeben: Im „Ländle“ lebt es sich nach sechs Jahren Rot/Grün gar nicht schlecht. Aber die können dort ja auch alles. Außer Hochdeutsch. Seit 60 Jahren regiert in Bayern die CSU! Nur die „Partei der institutionalisierten Revolution“ in Mexiko war länger am Ruder. Auch dort wurde es am Ende „muffig“.

„Demokratie lebt vom Wechsel“, behauptet eine völlig bedeutungslose bayerische SPD. Ihre anschauliche Begründung: Die Streu im Augiasstall wird irgendwann zu Mist. Und jeder Bio-Bauer weiß, dass man dann zwar immer wieder frisches Stroh aufschütten kann, aber irgendwann muss man eben doch ausmisten. Sonst kommt es zu „Staunässe“, zu „Verfilzung“. Die CSU und Filz – lächerlich. Zugegeben: In mancher Hinsicht agieren CSU-Granden schon etwas eigentümlich. So schachert man beispielsweise die halbe Wahlperiode um Pöstchen, erklärt aber gleichzeitig gebetsmühlenhaft, es sei jetzt nicht die Zeit für Personaldebatten.

Während es anderenorts als Zeichen von Charakter gilt, wenn ein Ministerpräsident nach „versemmelter“ Wahl abtritt, kleben alte CSU-Männer traditionell an der Macht. Sie glauben tatsächlich, sie wären unersetzbar.

Und natürlich können sie alles besser als die Jungen. Die Jungen ihrerseits trauen sich aber nicht, das offen auszusprechen. Höchstens „wenn ihr Name nicht genannt wird“. Diese Knauker! Sagt einer aus Versehen doch einmal die Wahrheit, ist gleich von „Königsmord“ die Rede. Immer der gleiche Zirkus. Seit 60 Jahren. Da werden die normalsten demokratischen Vorgänge zum Drama: Ein Wahlergebnis unter 50 Prozent gilt als „Katastrophe“, eine Koalition mit der FDP als „Fiasko“. Und jede Wahl ist „Schicksalswahl“. Gähn.

Kein Wunder, dass sich die Wähler langweilen. Die Folge: 38 Prozent. „G'scheit so“, sagt der Franke. „Alles hat ein End', allein die Wurst hat zwei.“ Bleibt nur die Flucht nach vorne. Olle historische Kamellen interessieren niemanden mehr. Die CSU muss auf Bundesebene antreten. Dann könnten bayerische Merkel-Fans wieder schwarz wählen – und sächsische Mutti-Hasser bräuchten nicht zur AfD überzulaufen. Win-Win! Man muss sich das vorstellen.