BAD NEUSTADT

Haushaltsposten für die Hühner

Die Biotonne ist nicht alternativlos. Im Landkreis fielen 2017 fast 3100 Tonnen Biomüll an.

Die Abfallwirtschaft im Landkreis ist gewiss, wenn man in so manche Tonne sieht, kein trockenes Thema. Dass sie ein humorvolles sein kann, bewies der Kreisausschuss bei seiner Sitzung am Montag. Angesichts der stattlichen Menge von fast 3.100 Tonnen Biomüll, die 2017 aus dem Landkreis in die Kompostanlage nach Themar gekarrt wurde, brachte Kreisrat Werner Ortloff das Beispiel der französischen Stadt Colmar ins Spiel. Dort wurden an jeden Haushalt, der mitmachen wollte, je zwei Hühner kostenlos verteilt, die seitdem mit Biomüll gefüttert werden und die Abfallbilanz verbessern. 100 Tonnen werden dort jährlich gespart.

Mit der unkonventionellen Idee konnte sich auch Landrat Thomas Habermann anfreunden, der privat auf einen Komposthaufen schwört. „Hühner sind im Trend“, so der Landrat, zumal sie als Haustiere gelten und keine nachbarschaftlichen Probleme verursachen, wenn sich nicht gerade ein lautstarker Hahn dazugesellt.

Viel Geld für die Entsorgung

Rund 5,4 Millionen lässt sich der Landkreis heuer die Müllentsorgung kosten, wie Kreiskämmerer Winfried Miller dem Gremium vorrechnete. Freilich arbeitet die Müllentsorgung kostendeckend. Dazu gehört die Müllabfuhr mit rund 980.000 Euro, die Bioabfallsammlung mit 570.000 Euro, der Betrieb der Umlade-Station in Herbstadt mit rund 400.000 Euro oder die Grüngutentsorgung durch die Firma Heinisch, für die rund 800.000 Euro veranschlagt sind im neuen Haushalt. Immerhin fällt im Landkreis drei Mal so viel Grüngutabfall an wie im bayerischen Durchschnitt.

Gerald Rosshirt, Chef der Kommunalen Abfallwirtschaft, stellte dem Gremium die Abfallbilanz 2017 vor. Mit 8.552 Tonnen Hausmüll bewegte sich auch 2017 der Landkreis auf dem gleichen Niveau wie in den Jahren zuvor, konnte Rosshirt aufzählen. „Beim Sperrmüll ist seit Jahren eine steigende Tendenz festzustellen“, so der Fachmann. Mit 2.063 Tonnen (2016: 1.929 Tonnen) wurde ein weiterer Rekord verbucht. Mit Schuld dürfte auch das Konsumverhalten sein, mit einer Vorliebe für preiswertere, aber auch weniger haltbaren Möbeln zum Beispiel. „Nur ein Drittel des Sperrmülls wird über die reguläre Sammlung abgeholt, die meisten Bürger fahren ihren Sperrmüll selbst an“, erklärte Rosshirt. An Gewerbemüll, den auch Schulen oder Behörden verursachen können, wurden 5.287 Tonnen im letzten Jahr entsorgt.

Nur beim Hausmüll unterdurchschnittlich

Durchschnittlich verursachte ein Landkreisbewohner 2016 108 Kilogramm Hausmüll (Bayerndurchschnitt 144 Kilogramm), 24 Kilogramm Sperrmüll (17 Kilogramm) und 64 Kilogramm (17 Kilogramm) Gewerbeabfälle.

Rund 162 Tonnen Problemabfälle von Farben, Lacken über Batterien zu Altmedikamenten wurden 2017 eingesammelt. An nicht brennbaren Abfällen wurden rund 360 Tonnen an der Umlade-Station Herbstadt angeliefert, von wo aus der Weitertransport auf die Deponie Rothmühle bei Schweinfurt erfolgte. An nicht verwertbarem Bauschutt wurden rund 2.700 Tonnen an die Deponie Rothmühle geliefert.

Seit 2016 wird Erdaushub und unbelasteter Bauschutt in der Kreisdeponie in Strahlungen (Steinbach) gelagert, rund 210.000 Tonnen fielen 2017 an. Anlieferungen von Bauschutt an die Deponie aus einer Entfernung von mehr als zehn Kilometern werden vom Landkreis bezuschusst.

Auf Nachfrage von SPD-Kreisrat Thorsten Raschert musste Rosshirt allerdings mitteilen, dass das Interesse daran kaum vorhanden ist. Nicht einmal eine Handvoll Förderbescheinigungen wurde ausgestellt, obwohl an vielen Stellen darauf hingewiesen wird. Viele Bauherren dürften den Erdaushub über ihre beauftragten Firmen abwickeln, mutmaßte der Landrat.

Schließlich nannte Roßhirt noch knapp 410 Tonnen Grüngut, die 2017 entsorgt wurden und 958 Tonnen Elektroschrott.