BISCHOFSHEIM

Holzbildhauerei in allen Facetten

Jan Polacek fertigte mit Kerstin Sporck und Sophia Wulhorst ein gesellschaftskritisches Holzobjekt

Nach den beiden erfolgreichen Veranstaltungen im Rahmen der Triennale im Bildhauerdorf Langenleiten ging es nun ebenso erfolgreich in Bischofsheims staatlicher Berufsfachschule für Holzbildhauer weiter. Die Triennale wird von der Kunsthalle Schweinfurt organisiert und widmet sich in diesem Jahr unter dem Motto „RaumZustände“ der Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Bildhauerei. Da die Triennale sich nicht ausschließlich auf die Kunsthalle beschränkt, sondern in diesem Jahr auch Außenstellen dazu genommen wurden, war es wohl eine Selbstverständlichkeit, die Bischofsheimer Berufsfachschule für Holzbildhauer einzubinden.

Auf großes Interesse stieß das Symposium mit ehemaligen und jetzigen Schülern im Sinne von „zusammen arbeiten“. Sechs Künstler aus Unterfranken, die bis auf einen ihre bildhauerische Ausbildung in Bischofsheim erhielten und heute als freischaffende Künstler erfolgreich sind, schufen gemeinsam mit Schülern des zweiten Ausbildungsjahres Skulpturen, die am Sonntag, 22. Juli, zusammen mit den Abschlussarbeiten des dritten Ausbildungsjahres bei der Abschlussveranstaltung des Tags der offenen Tür gezeigt werden. Den Künstlern ging es dabei darum, ihr Wissen und Können, ihre Erfahrungen und ihre speziellen künstlerischen Entwicklungen den Schülern nahe zu bringen, ihnen jedoch nichts Vorgefertigtes überzustülpen, sondern ihnen die Möglichkeit zum Mitgestalten und einbringen eigener Gedanken und Ideen zu geben.

So vielfältig wie die Bildhauerei ist, so vielfältig waren auch die Bereiche, die im Rahmen des Triennale-Symposiums abgedeckt wurden: Stein, Metall, Kettensäge, Bugholz, Beton und Holz waren die Materialien, die zum Einsatz kamen.

Kurt Grimm aus Kleinrinderfeld legte vor genau 40 Jahren die Prüfung an der Schule ab. Nun kehrte er zurück, um mit den heutigen Schülern gemeinsam eine Arbeit in Verbindung von Stein und Metall anzufertigen. Paul Engelhard und Ulrike Emmert haben mit ihm gearbeitet und aus Muschelkalkstein und Metall eine eindrucksvolle Skulptur geschaffen.

Auch Joachim Hasslan aus Niederwerrn zeigte den Schülern eine ganz ungewöhnliche Art der bildhauerischen Arbeit. In die Erde wurde Beton und als Armierung Baustahl eingelassen. Und zwar so, dass nach dem Aushärten zwei Teile aus der Erde gehoben, zu einer Figur zusammen gefügt und auf ein Fundament gesetzt werden. Ob das Experiment gelingt, wird sich am Sonntag zeigen, wenn die Teile aus der Erde gehoben werden. Die beiden Schülerinnen Sarah Wehner und Lucia Kreuz sind jedenfalls schon sehr gespannt. „Mir war wichtig, den Schülerinnen den Umgang mit Beton nahe zu bringen und zugleich die Erdverbundenheit aufzeigen“, so Hasslan.

Jan Polacek aus Oberwaldbehrungen fertigte mit Kerstin Sporck und Sophia Wulhorst ein gesellschaftskritisches Holzobjekt. Dabei kam vorwiegend die Kettensäge in einer Kombination mit klassischer Zimmermannstechnik zum Einsatz. „Das brennende Boot ist ein Symbol dafür, dass wir alle in einem Boot sitzen und es um dieses Boot nicht besonders gut bestellt ist.“

Aus Mömbris kam Markus Schmitt zurück an seine ehemalige Wirkungsstätte. Sein Spezialgebiet ist das gebogene Holz. In einer Dampfkammer wurde das Holz gedämpft, sodass es nachgiebig und biegsam wurde. Die Schüler Louis Bruckauf und Berit Riekemann interessierten sich für diese Art der Holzbearbeitung und fertigten mit ihrem Mentor eine entsprechende Skulptur.

Dierk Berthel aus Rannungen ist kein ehemaliger Schüler der Holzbildhauerschule, aber dennoch kam er gerne nach Bischofsheim, um sich am Symposium zu beteiligen. Aus Holz und Metall wurden zwei tanzende und miteinander im Dialog stehende Figuren geschaffen. Sowohl die Holz-, wie auch die Metallbearbeitung wurde vor Ort vorgenommen. Ebba Radke und Vanessa Scholz haben sich diesem Thema gestellt.

Aus Nürnberg war Hubertus Hess an die Schule gekommen mit der Idee, ein überdimensionales Horn anzufertigen. Felix Müller und Betty Bohr haben diese Idee sofort aufgegriffen und zu einem Klangkörper weiter entwickelt. Entstanden ist ein eindrucksvolles und klangvolles Didgeridoo.

Tag der offenen Tür der Holzbildhauer in Bischofsheim

Am kommenden Sonntag lädt die Berufsfachschule für Holzbildhauer von 13 bis 18 Uhr zum Tag der offenen Tür ein. Präsentiert werden sowohl die Abschlussarbeiten des dritten Ausbildungsjahres sowie die Arbeiten des Symposiums, das anlässlich der Triennale in dieser Woche stattfand. Die Absolventen stehen den Gästen für Gespräche zu ihren Abschlussarbeiten, die dem Gesellenstück entsprechen, zur Verfügung. Außerdem wird es in der Aula eine Ausstellung zu den Arbeiten geben, die im Laufe des Schuljahrs an der Schule entstanden sind. Neben dem offiziellen Teil mit Preisvergaben und Auszeichnungen gibt es diverse weitere Attraktionen, wie Portraits zeichnen, Kettensägearbeiten und musikalische Darbietungen. Für das leibliche Wohl ist gesorgt. Auch die Unterrichtsräume können am Tag der offenen Tür besichtigt werden.
Ein überdimensionales Didgeridoo haben Hubertus Hess (links) und Felix Müller erstellt.