Wargolshausen

Leserforum: Wie ist das mit der Demokratie?

Zur der Berichterstattung über den Windpark Wargolshausen/Wülfershausen erreichte die Redaktion folgender Leserbrief.

Mit Abscheu und Sorge verfolge ich den Schlagabtausch Pro und Kontra Windpark Wargolshausen-Wülfershausen in der Lokalzeitung. Da hat ein Gericht Recht gesprochen: der Bau ist rechtswidrig. Damit sollte es gut sein – sollte man meinen. Schließlich leben wir nicht in einer Bananenrepublik. Oder doch? Was ist das für ein Demokratieverständnis, was für ein Rechtsempfinden, die da an die Oberfläche spülen?

Wir haben im Grundgesetz die Gewaltenteilung festgeschrieben, die Justiz ist unabhängig. Und nun versuchen Interessengruppen zu erwirken, dass das Urteil durch Exekutive bzw. Legislative ausgehebelt, der Windpark trotzdem errichtet wird. Die mehreren tausend Unterschriften? Das ist, wie wenn ein verurteilter Verbrecher durch öffentliches Begehren straffrei bleiben soll. Man muss nur so lang neue Gesetze machen, bis eines den eigenen Wünschen entspricht.

Und da muss in der Zwischenzeit eine rege Lobbyarbeit von Interessengruppen stattgefunden haben, denn es ist doch wohl so, dass zu Beginn die Bevölkerung mehrheitlich gegen den Windpark war. Was hat sich also seither geändert?

Überlegt man, wer davon profitiert, dann findet man leicht Antworten. Nehmen wir nur die Besitzer von Grund und Boden am Standort eines Windrades als Beispiel. Es wird mit der Erhaltung der Natur argumentiert. Stimmt natürlich zum Teil. Aber was ist mit der anderen Seite? Tote seltene Vögel und Fledermäuse, Gesundheitsstörungen durch Infraschall, die Zerstörung der Landschaft? Idealisten, wie die Mitglieder der Fridays for Future-Bewegung übersehen das leicht. Oder ist es in Ordnung, wenn wir zwar über grünen Strom im Überfluss verfügen aber ansonsten alles diesem Ziel geopfert wird?

In dieser vertrackten Situation kann man nur hoffen, dass es an den entscheidenden Stellen noch genügend wahre Demokraten gibt, die solchen Anfängen wehren und Recht Recht bleiben lassen. Und dass die, die ihre Überzeugung je nach Bedarf ändern, nicht zum Zuge kommen.

Michael Graf
Mellrichstadt