Bischofsheim

Minister Glauber startet Arbeit für Biodiversitätszentrum

Den offiziellen Startschuss für das neue Biodiversitätszentrum Rhön gaben (von links) Bürgermeister Georg Seiffert, ...

Seit gut einem Jahr ist bekannt, dass ein Biodiversitätszentrum Rhön in Bischofsheim seinen Sitz bekommen soll, seit einigen Monaten arbeitet eine Projektgruppe an der Konzeption der neuartigen Einrichtung und seit gut einer Woche hat Antje Voll als Projektmanagerin für den Aufbau des Zentrums die Arbeit aufgenommen. Jetzt ließ es sich der bayerische Umweltminister Thorsten Glauber nicht nehmen, bei seinem ersten Besuch in dieser Funktion in der Rhön eine Art Startschuss für den Aufbau und die Arbeit des neuen Zentrums zu geben. Doch auf die meist gestellte Frage in Bischofsheim, wo das neue Zentrum entstehen soll, hatte auch er keine Antwort.

Kurze Ansprachen

Es war ein eineinhalbstündiges, launiges Treffen bei bestem Wetter im Hof des Bischofsheimer Rentamts. Kommunalpolitiker, Naturschützer, Vertreter der Land- und Forstwirtschaft, von Umweltbehörden oder der Kirchen wollten bei diesem freudigen Anlass dabei sein. Und es stand fast mehr der zwischenmenschliche Austausch im Mittelpunkt als offizielle Reden. 

Ein Prost auf das neue Zentrum: (von links) Pater Martin, Christian Tausch (LfU), Anje Voll, ...

Der Umweltminister ging erfrischend kurz auf die Bedeutung der Artenvielfalt und die Verantwortung eines jeden Einzelnen dafür ein. Das Biodiversitätszentrum Rhön in Bischofsheim sei ein zentraler Baustein der Gesamtstrategie für mehr Biodiversität im Freistaat und ein klares Signal für die Bemühungen um mehr Artenvielfalt. Es werde sich vor allem mit der Entwicklung der Natur- sowie der Kulturlandschaft der Mittelgebirge beschäftigen. Dabei gehe es aber nicht um rein wissenschaftliches Arbeiten, sondern um  anwendungsorientierte Arbeit und innovative Lösungen zur Verbesserung der biologischen Vielfalt.

Genau der richtige Standort in der Rhön

Für ein solches Produkt müsse man in die Fläche, so der Minister. Und hier seien Bischofsheim und die Rhön genau der richtige Standort.  "Wir gestalten gemeinsam mit den Beteiligten vor Ort die Zukunft der Region. Mit dem Biodiversitätszentrum Rhön schaffen wir eine einmalige Einrichtung zur Stärkung der Biodiversität bayerischer Mittelgebirgslandschaften."

4,1 Millionen Euro, so Glauber,  stünden im Haushalt für das neue Zentrum bereit. Dazu kämen noch einmal 21 Millionen Euro an so genannten Verpfichtungsermächtigungen für die nächsten Jahre. Auch seien 20 Arbeitsplätze in dem neuen Zentrum vorgesehen. Das sei ein erster, aber auch ein sehr guter Schritt. Auch wenn sich Glauber nicht festlegen wollte, sprach er von einem zweiten Schritt. Der könnte in vielleicht zwei Jahren erfolgen, "wenn wir gemeinsam ein Band durchscheiden", spielte er auf die bauliche Fertigstellung des Zentrums an.

Ausschreibungen laufen an

Wie es in den nächsten Monaten weitergehen wird, stellte die neue Projektmanagerin, Antje Voll, kurz vor. Demnach werde sie etwa drei Monate im federführenden Landesamt für Umwelt in Augsburg arbeiten, bevor sie erste Büroräume in Bischofsheim beziehen werde, die derzeit noch gesucht würden. Derzeit liefen auch die Ausschreibungen für die ersten acht Stellen am neuen Zentrum an. Im Zuge des Konzepts würden die baulichen Anforderungen wie der Bedarf an Räumlichkeiten ermittelt und erst dann ein Standort für das neue Zentrum festgelegt.

Ein Rhönlamm für den Minister (rechts)  übergab Thomas Habermann im Beisein von Pater Martin und Schäfer Frank ...

Völlig einig zeigte sie sich mit Landrat Thomas Habermann, wonach die Arbeit des Zentrums über die Rhön hinaus nicht nur auf Bayern, sondern ganz Deutschland ausstrahlen solle. "Noch mehr Vorzeigeprojekte reichen nicht", betonte Habermann. Er forderte Pilotprojekte zu Verbesserung der Biodiversität, die dann auch in der Fläche umgesetzt würden. Der Landkreis, so Habermann, werde das Biodiversitätszentrum voll unterstützen. "Ich bin überzeugt: Wenn es gelingt die Artenvielfalt voranzubringen, wird auch die Region in Richtung einer lebens- und liebenswerten Heimat vorangebracht!" 

Klosterbier und Rhönlamm

Ähnlich sah das auch Bischofsheims Bürgermeister Georg Seiffert, für den das Thema Biodiversität und Biodiversitätszentrum einfach zu Bischofsheim als Zentrum der oberen Rhön passt. Wie der Landrat sicherte auch er zu, dass sich die Stadt beim neuen Zentrum im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch mit Ideen einbringen werde.

Bevor sich dann der Minister als höchst routinierte Zapfer von Klosterbier erwies und bei Häppchen Anekdoten über Fußball, fränkisches Bier und den mittelfränkischen Kreuzberg ausgetauscht wurden, überreichte Habermann dem Minister zunächst symbolisch ein Rhönlämmchen von Rhönschäfer Frank Kessler aus Frankenheim. Falls er im Herbst noch einmal komme, könne er nicht nur die Rhöner Landschaft erleben, er würde dann auch ein erwachsenes Schaf erhalten, warb der Landrat für einen weiteren Ministerbesuch.

Die Projektmanagerin
Antje Voll
Seit 1. Juli ist Antje Voll Projektmanagerin für den Aufbau des Biodiversitätszentrums Rhön in Bischofsheim. Die studierte Forstwirtin stammt aus dem Raum Dresden, ist aber bereits seit 2004 in der Rhön beheimatet und lebt in Langenleiten. Nach beruflichen Stationen unter anderem im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten war sie in den vergangenen vier Jahren als Regionalmanagerin für das Biosphärenreservat im hessischen Teil der Rhön tätig. Aufgabe der 40-Jährigen ist der Aufbau und die Organisation des Biodiversitätszentrums. Wer die fachliche Leitung übernimmt, ist noch nicht bekannt. Voll arbeitet voraussichtlich noch bis Oktober beim Landesamt für Umwelt in Augsburg, das für das Biodiversitätszentrum zuständig ist. Ab Oktober soll sie dann Räumlichkeiten in Bischofsheim beziehen.