Dürrnhof

Leserforum: Bürgerentscheid richtungsweisend für die Zukunft

Zur Thematik über den Bürgerentscheid wegen einer geplanten Wohnanlage in Herschfeld erreichte die Redaktion folgender Leserbrief.

"Ich verfolge als Bürger von Dürrnhof schon seit Längerem die als strittig zu bezeichnende Entstehung einer Wohnanlage in Campusnähe und den damit verbundenen Widerstand in der Bevölkerung. Zunächst einmal ein Lob an die Bürgerinitiative von Herschfeld, deren Frauen und Männer es mittels einer Unterschriftenaktion in kürzester Zeit gelungen ist, genügend Bürger in Bad Neustadt davon zu überzeugen, dass eine Bebauung in diesem Geländeabschnitt inakzeptabel ist und es nun zum Bürgerentscheid kommt. 

Meine Bedenken an der geplanten Bebauung halte ich als unverändert aufrecht, auch wenn der zuständige Architekt nun ein, auf den ersten Blick abgespecktes Planungsprojekt, in der zurück-liegenden Stadtratssitzung präsentieren durfte. Seine Aussage 'Wir haben die Anliegen der Bürger sehr ernst genommen' gaukelt erstmal ein wohlwollendes Entgegenkommen mit Blick auf die berechtigten Sorgen, insbesondere der Herschfelder vor. Diese Vorgehensweise des Investors entspricht nach meinem Dafürhalten lediglich einem rein wirtschaftlichen Kalkül und verklärt den Blick auf die immer noch sehr ernst zu nehmenden Auswirkungen einer Bebauung in diesem Bereich - auch wenn diese fast schon als eine Art Win-Win-Situation dargestellt wird.

Dieser strategische Schachzug ist ausdrücklich kritisch zu hinterfragen, zumal dieser offensichtlich kurzerhand in direkter Verbindung mit dem Bürgerentscheid entwickelt und in der Stadtratssitzung gegenüber der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Ich hoffe nur, dass sich der mündige Bürger von diesem Plan nicht zu sehr irritieren lässt. Eine Bebauung, auch in dieser überplanten Größenordnung und Anordnung, ist an dieser Stelle weder ökologisch sinnvoll, noch aufgrund der vermeintlichen Wohnungsnot in Bad Neustadt gerechtfertigt. Das Gegenteil ist der Fall: Dieser über mehrere Jahrzehnte erhaltene Grüngürtel würde auf Dauer zerstört werden.

Selbst wenn das Wäldchen vorerst noch ausgespart bleibt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis dieses auch im Zuge einer nicht mehr aufzuhaltenden dynamischen Bauentwicklung (Urbanisierung) am Campus dem Flächenfraß zum Opfer fällt. Demzufolge ist die Aussage des Fraktionsvorsitzenden der Grünen, Herr Breitenbücher, mehr als verwunderlich, wenn er die geplante Anlage als verdichteten Wohnraum lobt und mit Blick auf die zu bebauende Fläche einen Vorteil gegenüber einer Bebauung mit Einzelhäusern herausstellt.

Eine fürwahr bizarre, anachronistische Behauptung, die unterstellt, dass jeder Bewohner eines Mietshauses ein potentieller Häuslebauer sei. Da gefällt mir das Statement von Frau Hellmuth schon besser, was den Standort der geplanten Bebauung angeht. Auch die mir bekannten Informationen bestätigen, dass eine Bebauung in dieser Größenordnung in einem bisher nicht erschlossenen, naturbelassenen Geländeabschnitt zur Beseitigung eines angeblichen Wohnraummangels in Bad Neustadt nicht erforderlich und eher unsinnig ist.

Unverändert bleiben die Risiken einer Zunahme des Oberflächenwassers, auch wenn durch Begrünung der Hausdächer der Anschein geweckt wird, die Flächenversiegelung damit zu kompensieren. Auch die Verkehrsbelastung wird um ein Vielfaches zunehmen, wenn ich mir vorstelle, dass vergleichsweise fast die Gesamtzahl der Einwohner von Dürrnhof siedlungsmäßig auf engsten Raum untergebracht wird. 

Wenn diese Planungen verwirklicht würden, wird dies sicherlich negative Auswirkungen auf unsere heimische Natur haben und die Lebensqualität der Bürger von Herschfeld nachhaltig beeinträchtigen. Denn diese haben am wenigsten von der Bebauung am Campus. Demzufolge ist für mich der anstehende Bürgerentscheid nicht nur eine rein formale Abstimmung über ein Bauprojekt, sondern auch richtungsweisend für eine zukünftige städtebauliche Entwicklung in diesem Bereich."

Hilmar Matthes

97616 Dürrnhof