Bad Neustadt

Preh Gmbh: Im Krisenjahr erfolgreich die Kostenbremse getreten

Vor zwei Jahren feierte Preh in Bad Neustadt 100-Jahre-Firmengeschichte.

Zwei Wechsel an der Führungsspitze der Preh GmbH während der Coronapandemie, Lockdowns und Lieferengpässe in der ganzen Welt. Das vergangene wie das aktuelle Jahr stellen den Automobilzulieferer in Bad Neustadt (Lkr. Rhön-Grabfeld) vor große Herausforderungen. In der Bilanzpressekonferenz hat der neue CEO Zhengxin "Charlie" Cai zwar ein niedrigeres operatives Ergebnis (127,4 Millionen Euro) als im Vergleichsjahr 2019 (147 Millionen Euro) verkündet. Dennoch äußert sich die Unternehmensleitung zuversichtlich und verbucht im aktuellen Jahr eine über Plan liegende Auftragslage. Die Zukunftsbranche Elektromobilität wächst erwartungsgemäß überdurchschnittlich. Und: Sie soll weiter ausgebaut werden.  

Traditionsunternehmen mit weltweit einzigartigen Produkten

Bedienelemente aus dem Hause Preh wurden in Automobilen vor allem von BMW, Ford und Volkswagen auch im Krisenjahr 2020 gerne verbaut. Mit innovativen Lösungen von Bediensystemen - bei Preh heißt das "Human Machine Interface" - punktet das mehr als 100 Jahre alte Bad Neustädter Traditionsunternehmen mit weltweit einzigartigen Produkten. Auf so viel Innovationskraft wollen die großen Automobilhersteller auch in Krisenzeiten nicht verzichten. Klimabedienelemente, Multifunktionsschalter und hochwertige Oberflächen wie Glas sind die Spezialgebiete von Preh.

In der Bilanzpressekonferenz bestätigte der neue CEO, Zhengxin "Charlie" Ca i, ein zufriedenstellendes Jahr 2020. Kosteneinsparprogramme hätten für eine gute Konsolidierung des Betriebsergebnisses gesorgt und seien unabdingbar gewesen. Der Umsatz der Preh Gruppe, die weltweit im vergangenen Jahr 7194 Mitarbeiter zählte, sank zwar im Vergleich zum Vorjahr von 1,4 auf rund 1,2 Milliarden Euro. Ausschlaggebend hierfür war aber nicht der Mangel an Aufträgen und Arbeit, sondern im Wesentlichen der konzerninterne Verkauf der Preh Car Connect GmbH, die allein für ein Volumen von rund 400 Millionen Euro verantwortlich zeichnet.

112 Mitarbeiter am Firmensitz in Bad Neustadt weniger

Kostensenkungsprogramme will die Preh GmbH dennoch weiter fortsetzen und zudem die Kosteneffizienz verbessern. Das führte im vergangenen Jahr bereits zu einem Plus bei den Beschäftigtenzahlen in Billiglohnländern, während die Mitarbeiterzahlen unter anderem in Deutschland und am Firmensitz in Bad Neustadt rückläufig waren. Im Jahr 2019 beschäftigte das Unternehmen in der bayerischen Rhön noch 1836 Prehler, 2020 waren es lediglich 1724 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Beschäftigten-Niveau will Zhengxin Cai im aktuellen Jahr konstant halten, eine Reduzierung steht nicht auf dem Plan.

Schon gar nicht anlässlich des kleinen Jubiläums: Am 8. April 2021 jährt sich die Übernahme der Preh GmbH durch die Joyson-Gruppe aus Ningbo in China zum zehnten Mal. Seit 2011 wächst das Unternehmen kontinuierlich: Während der Automobilzulieferer im Jahr vor der Übernahme mit 2471 Mitarbeitern noch einen Umsatz von 351 Millionen Euro erzielte, sind es heute rund 7200 Mitarbeiter bei einem Umsatz von rund 1,2 Milliarden Euro. Vor zehn Jahren kam Zhengxin Cai nach Bad Neustadt in die Geschäftsleitung. Im Februar hat er nun den Vorsitz des Vorstandes übernommen, nachdem Stephan Weng nach nur einem halben Jahr bei Preh das Unternehmen wieder verlassen hatte.

Elektromobilität: Umsatz in 2020 um 65 Prozent gesteigert

Cais Ziele für das laufende Jubiläumsgeschäftsjahr sind demzufolge hoch gesteckt. Während Bediensysteme nach wie vor das Hauptgeschäft der Preh GmbH darstellen, ist die Elektromobilität weiter auf dem Vormarsch. Eine Umsatzsteigerung von 65 Prozent in 2020 spricht eine deutliche Sprache. Jüngstes Beispiel für erfolgreiche Produkte aus dem Hause Preh sind eine Fülle an Bedienelementen im bald auf den Markt kommenden Elektrosportwagen Audi E-tron GT. Zudem sorgt die 800 Volt-Technologie aus dem Hause Preh für die Stromversorgung mit Schnelllademöglichkeiten in bislang ungekannt kurzer Zeit.

Mit dem Rückenwind Elektromobilität blickt das Unternehmen zuversichtlich in das aktuelle Jahr und verbucht im ersten Quartal einen über dem Plan liegenden Auftragseingang, auch im Sektor Commercial Vehicles mit Produkten für landwirtschaftliche Fahrzeuge.

Wären da nicht aktuell immer weiter steigende Frachtkosten sowie Preisanstiege bei Komponenten, die negativ in der Bilanz zu Buche schlagen werden. Zudem besteht nach Auskunft von Cai ein noch nie dagewesenes hohes Risiko von Produktionsstops, sollten Halbleiter nicht rechtzeitig geliefert werden. "Sollte sich die Situation verschärfen, werden wir gezwungen sein, Anpassungen vorzunehmen", so Cai, der in Estenfeld bei Würzburg lebt. Zugleich zeigte er sich optimistisch, dass sich die Situation in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres erholen kann. "Mittelfristig wollen wir weiterwachsen und streben ein Umsatzziel in Höhe von zwei Milliarden Euro an", fasst Cai die Aussichten für Preh zusammen.