Bad Neustadt

Zwei Jahre Rhön-Klinikum Campus: Viel erreicht und noch viel vor

Zum Jahreswechsel 2018/19 ging der neue Rhön-Klinikum Campus in Bad Neustadt an den Start, Zeit für eine Zwischenbilanz.

Zum Jahreswechsel 2018/19 ging der neue Rhön-Klinikum Campus in Bad Neustadt an den Start. Zeit für eine Zwischenbilanz: Wie hat sich die Klinik entwickelt, vor welchen Herausforderungen steht der Campus, welche Perspektiven eröffnen sich? Zu diesen Fragen nahmen Professor Bernd Griewing (Vorstand Medizin der Rhön-Klinikum AG) und Jochen Bocklet (Geschäftsführender Direktor) Stellung.

Normalität wagen

Corona dominiert nach wie vor viele Abläufe auf dem Campus . Das wird sich so schnell nicht ändern. Aber: "Wir wollen wieder Normalität entwickeln, auch wenn Corona uns weiter begleiten wird", sagt Griewing. In den vergangenen Monaten wurden viele sogenannte elektive Operationen verschoben, nun gebe es lange Wartelisten, die man gerne abarbeiten möchte. "Wir wollen wieder ran", kündigt er an.

Der Verzicht auf diese planbaren medizinischen Eingriffe, die nicht zwingend medizinisch notwendig waren, führte auch zu geringeren Einnahmen. Zwar erhält auch das Rhön-Klinikum Ausgleichszahlungen vom Staat, diese kompensieren die Verluste allerdings nicht, sagt Bocklet. Konkrete Zahlen hatte er zum Zeitpunkt des Pressegesprächs noch keine. 

Neues Klinikkonzept

Als die ehemalige Kreisklinik am 1. Januar 2019 auf den Campus umzog, war dies der Startschuss für ein neues Klinikkonzept . Es hat einerseits die zukunftsfähige Gesundheitsversorgung für Patienten im ländlichen Raum zum Ziel. Die Vorgabe ist: Patienten auf dem Land sollen eine ebenso gute medizinische Versorgung haben wie Menschen, die in einer großen Stadt leben. Andererseits macht der Campus mit den Spezialabteilungen Kardiologie, Neurologie und  Handchirurgie ein überregionales Angebot, das Patienten aus einem Umkreis von über 100 Kilometern nutzen. 2019 wurden insgesamt 78 000 Patienten auf dem Campus behandelt. 

Zu den überregionalen medizinischen Schwerpunkten gehören die Herzmedizin mit den Kliniken für Herzchirurgie und Kardiologie sowie der kardiologischen Rehabilitation als integriertes Herzzentrum. Ebenso die Muskuloskelettale Chirurgie, in der die Kliniken für Orthopädie, Unfallchirurgie, Sporttraumatologie und Endoprothetik, die Klinik für Fußchirurgie sowie die Klinik für Handchirurgie inklusive Reha konzentriert sind. Dazu kommt der Schwerpunkt für seelische Erkrankungen mit den Kliniken für Psychosomatik und der rehabilitativen Suchtpsychiatrie.

Fünf Kliniken mussten verschmelzen

Für das neue Konzept mussten fünf Kliniken miteinander verschmelzen und die Teams aus der ehemaligen Kreisklinik und den Rhön-Klinikum-Häusern am neuen Campus zusammenfinden. "Das war ein Kraftakt. Es hat sich gut entwickelt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind zu einem Campus-Team zusammengewachsen", sagt Griewing.   

In den vergangenen Monaten hat sich am Campus besonders in der Ärzteschaft ein Generationswechsel vollzogen. Ältere Kollegen seien in den Ruhestand gegangen, viele junge Medizinerinnen und Mediziner seien nun in Leitungspositionen. Sie entwickeln die Kooperation und die Vernetzung mit den Universitäten Würzburg und Marburg und den Kliniken in Schweinfurt, Aschaffenburg und Suhl weiter. 

Ambulante Versorgung

Zu den 1500 Klinikbetten kommt ein weiteres Angebot: das ambulante Zentrum. Im Konzern-eigenen medizinischen Versorgungszentrum arbeiten zehn Ärzte. Weitere 20 niedergelassene Ärzte haben sich am Campus eingemietet und betreiben dort ihre Praxen. 

Die ambulante Versorgung von Patienten möchte der Konzern ebenfalls weiter ausbauen, besonders im Bereich Hand-, Fuß- und Unfallchirurgie ebenso wie Teile der Hüftprothetik, erläutert Griewing. Darüber hinaus ist geplant, neben der Hand- und Fußchirurgie auch noch eine Sporttraumatologie zu etablieren.

"Die Palliativstation ist für uns unersetzlich"
Professor Bernd Griewing

Auch das ist neu: Die Neuromedizin wurde 2020 durch einen weiteren wichtigen Eckpfeiler erweitert, der Neurochirurgie. Sie erweitert das Leistungsspektrum um operative Eingriffe . Erkrankungen und Verletzungen des Gehirns oder der Wirbelsäule beispielsweise können so am Campus behandelt werden. Damit habe das Zentrum laut Griewing ein Alleinstellungsmerkmal in der Region.

Reha-Klinik im August fertig

Apropos bauen: Der Konzern investiert weiter in den Standort Bad Neustadt. Noch in diesem Jahr wird die Psychosomatische Rehabilitation direkt neben der Psychosomatischen Klinik in Bad Neuhaus  eröffnen. Auch die Saaletalklinik wird erweitert, in zwei Neubauten entstehen 86 Betten.

Ein weiteres Kernthema bleibt die Digitalisierung. Sie soll in vielen Bereichen vorangetrieben werden: Online-Terminvereinbarung im ambulanten Zentrum, Online-Sprechstunden in der Herzklinik, der Neurologie und Psychosomatischen Klinik. 

Auch der Übernahme-Krimi beschäftigte die Belegschaft Mitte vergangenen Jahres. Das Joint Venture mit Asklepios bringe viele Vorteile mit sich, sagt Griewing und nannte Synergien beim Materialeinkauf. Dies habe sich beispielsweise bei der Beschaffung von Schutzkleidung und Ausrüstung in der Corona-Pandemie bewährt.

Bekenntnis zur Geburtshilfe und Palliativstation

Ein eindeutiges Bekenntnis kam vom medizinischen Vorstand zur Palliativstation ("Sie ist uns jeden Tag eine feste Stütze. Die Palliativstation ist für uns unersetzlich.") und zur Geburtshilfestation. Diese ist eigentlich zu klein, um kostendeckend zu arbeiten. Der Freistaat Bayern hat hier ein Förderprogramm aufgelegt, das es Landkreisen im ländlichen Raum ermöglicht, dieses Defizit auszugleichen. Um diese Förderung bemüht sich der Landkreis Rhön-Grabfeld.