Bad Neustadt

Glosse: Deutschland in Flammen

Die Heimat leuchtet! Im Zentrum unseres schönen Industriestädtchens bezaubert ein neues Beleuchtungskonzept das Publikum. Die "Nacht der Nationen" - ein Shopping Event, das sich wohltuend von tausend ähnlichen "Lockveranstaltungen" abhebt. Den Höhepunkt bildete eine spektakuläre Lasershow. "Star Wars" zum Friedensfest! Aber auch kleine Dörfchen leuchten in der allgegenwärtigen Finsternis. Unter dem pathetischen Motto "Deutschland in Flammen" machten Landwirte durch "Mahnfeuer" auf ihre armselige Situation aufmerksam. Die schnoddrigen Berliner brachten den "ollen Bauernköppen" bei ihrer vielbeachteten Protestveranstaltung in der Hauptstadt uneingeschränkte Sympathie entgegen.

Ein Hauptproblem stellt offensichtlich der Unterschied zwischen "Selbst-" und "Fremdwahrnehmung" dar. Die Landwirte selbst sehen sich nämlich als "Umweltschützer". Zu Recht! Schon aus "eigenem Interesse" bewahren sie alle natürlichen Ressourcen. Zum Beispiel das Grundwasser. Warum glauben ihnen Viele das nicht mehr? Schuld sind unsere Politiker! Die Devise "wachse oder weiche" prägt seit Jahrzehnten die Agrarpolitik. Die Folge: ein beispielloses Hofsterben.

Jochen Stäblein, Organisator des Mahnfeuers in Mellrichstadt, hat völlig Recht wenn er anprangert, dass Lebensmittel heute "um den halben Erdball gekarrt werden". Warum exportiert ein Industriestaat wie Deutschland ein Viertel seiner landwirtschaftlichen Produktion ins Ausland? Warum werden bei uns Lebensmittel über Subventionen künstlich so billig gehalten, dass sie massenhaft auf dem Müll landen? Wer gestaltet diese Politik?

Hier die Namen der letzten fünf Bundesagrarminister: Horst Seehofer (CSU), Ilse Aigner (CSU), Hans-Peter Friedrich (CSU), Christian Schmidt (CSU) und Julia Klöckner (CDU). Ganz klar: Die "Schwarzen" können "Agrar" nicht. Und sie sind reformresistent. Die Tatsache, dass Bauern trotzdem zu ihren treuesten Wählern zählen, stellt eines der großen Rätsel unserer Zeit dar. Wahrscheinlich haben CSU-Granden einfach die besseren "Bierzelt-Qualitäten".

Aber gerade wegen der völlig verfehlten Politik, sollten Landwirte die "Städter" ernst nehmen! Stadt-, aber auch Landbewohner, können sich einfach nicht vorstellen, dass ein "Hochleistungsschwein" auf 0,7 Quadratmeter "Lebensraum" nicht leidet! Und darauf zu hoffen, dass verantwortungsbewusstes Kaufverhalten irgendwann eine Agrarwende bewirkt, bleibt blanke Illusion. "Bewusst" kauft nur eine gut betuchte Minderheit von Bildungsbürgern ein. Der Mehrheit ist es völlig "wurscht", wo Lebensmittel herkommen und wie man sie produziert. Für sie zählt nur eines: der Preis. Hundert Gramm Schweinehack für 37 Cent. Einwandfrei!

Nein, Veränderungen müssen "von oben" kommen: höhere Preise und Verbote - auch wenn die Verbraucher maulen. Die einzig logische Antwort auf fast alle großen Zukunftsfragen lautet: weniger. Also auch weniger Fleisch und weniger Milch. Und auf der unteren Ebene müssen unsere Granden endlich für Transparenz sorgen. Selbst auf die Gefahr hin, vor Wahlen ihre "Premium-Zielgruppe" zu vergraulen.

Ein Sprecher des Bauernverbands hat in Berlin erklärt, dass belastetes Grundwasser "viele Ursachen" habe. Also mal Klartext: Wer hat denn jetzt den Trinkwasserbrunnen in Herschfeld verunreinigt? Hat es bei jenem "Starkregenereignis" Fäkalbakterien und Nitrat vom Himmel geregnet? Haben Jopp, Preh oder Siemens "herumgesaut"? Oder sind unsere Kläranlagen undicht? All das ließe sich ganz leicht klären. Warum nennen unsere Granden nicht endlich "Ross und Reiter"? Sie könnten dadurch Vorurteile abbauen. Aber nur vielleicht. "Wasser ist Leben", erzählen sie uns in ihren Sonntagsreden. Man muss sich das vorstellen!