FUSSBALL REGIONALLIGA BAYERN

Aubstadt hat nichts zu verlieren

Mit dieser Mannschaft geht der TSV Aubstadt in die Saison 2019/20 in der Regionalliga Bayern: Physiotherapeut ...

Was den TSV Aubstadt und ihn selbst wohl als Aufsteiger in die Regionalliga Bayern erwarte, wurde Trainer Josef Francic unlängst gefragt. Der nie um eine rasche Antwort verlegene Fußball-Fachmann zögerte ungewöhnlich lange, um dann zu bekennen: „Wenn überhaupt, dann wissen das von uns ein paar wenige Spieler und die auch nur von wenigen Einsätzen dort vor einigen Jahren.“ Und dann legte er doch nach: „Ich beobachte diese Liga schon seit einiger Zeit und hole mir Infos von Trainerkollegen, die dort tätig waren oder die Vereine kennen. Man spricht von einer Wahnsinnsqualität, über körperlich betontes Spiel. Wir haben gesehen, dass Aschaffenburg als überragender Bayernliga-Meister aufstieg und es gerade so geschafft hat, drinnen zu bleiben. Als die Nullfünfer aufstiegen, mussten sie sich zwei Mal über die Relegation retten, ebenso Bayreuth letztes Jahr gegen uns.“

Francic: „Stärker als letztes Jahr“

Wie man sich denn gerüstet habe für diese Herausforderung? Man solle sich da nicht über Mannschaften unterhalten, die als Profis und als Halbprofis arbeiten, sondern über solche, „die auf unserer Augenhöhe sein sollten. Ich will mich eher auf meine Mannschaft konzentrieren. Wir trainieren und spielen inzwischen mit deutlich härterem Tempo als noch im letzten Jahr. Ich gehe deshalb davon aus, dass wir stärker sind als im letzten Jahr.“ Man habe das gesehen an Tests gegen Bayernligisten. „Leider haben wir keinen Testgegner aus einer anderen Regionalliga bekommen, um zu sehen, wo wir stehen.“

In jedem Spiel Außenseiter

Man müsse reinwachsen in diese Liga, sowohl körperlich als auch taktisch. Man werde nun mit vielen Neuigkeiten konfrontiert, bis hin zu Dopingkontrollen. „Die medizinischen Checks im Campus haben ergeben, dass die Mannschaft gute Werte hat im Vergleich zum Beispiel zu den Brose Baskets Bamberg. Die haben dort eine standardisierte Messlatte, die gezeigt hat, dass wir auf einem hohen Niveau sind. Das macht uns mutig. Aber ehrlich: Was sollen wir verlieren in dieser Klasse?“, fragt Francic und schiebt die Antwort gleich hinterher: „Wo wir auftauchen und wer immer zu uns kommt, will doch, Stand jetzt, drei Punkte mitnehmen. Darin liegt vielleicht unsere größte Stärke, dass wir im Vergleich zu den letzten sechs, sieben Jahren keinen Druck haben, sondern nur in jedem Spiel alles geben müssen. Das ist unser Anspruch an uns selber.“

So viel zum zweiten Teil des Sich-Rüstens für die vierthöchste Liga Deutschlands, das Training und die Testspiele. Der erste Teil, die Verstärkung und Ergänzung des Kaders ergab – bei vier Abgängen – zehn Neuzugänge. Zwei davon sind Torhüter. Mit André Koob schien die neue Nummer 1 gefunden, als sich Christian Mack zurückziehen wollte. Als sich Koob, noch im Tor des Würzburger FV, schwer verletzte, reagierte man mit der Rückholung von Mack und der Verpflichtung von Christoph Saballus. Francic legte sich auf Mack als Nummer 1 fest, während Christoph Saballus und Johannes Sturm gleichauf um die Nummer 2 sind.

In der Abwehr variabel

So überraschend war nicht, dass für die Abwehr kein Neuzugang verpflichtet wurde. Zum einen verfügt man über zwei Garnituren für die Viererkette, sofern diese überhaupt die Option ist. Zumindest ist jede Position „mindestens doppelt zu besetzen, weil wir mehrere Spieler haben, die auf zwei, wenn nicht gar drei Positionen verwendbar sind, was ihre Einsatzwahrscheinlichkeit natürlich erhöht.“ Drei fixe Innenverteidiger (Benkenstein, Köttler, Kirsten), zwei flexible (Grader, Behr), fünf mögliche Außenverteidiger (Bauer, Grader, Feser, Volkmuth, Behr), fünf mögliche Sechser (Leicht, Trunk, Behr, Kraus, Volkmuth) erlauben Francic jedwede Variationsmöglichkeit.

Junge Leute mit Potenzial

Fürs Mittelfeld und die Offensive kamen demnach acht Neue, von denen auch wieder einige flexibel einsetzbar sind. Unter ihnen die zwei erfahreneren Timo Pitter (26) und Christopher Bieber (30) und sechs junge Spieler (Ben Müller, Marcel Volkmuth, Jannik Binder, Marcus Kreckel, Philipp Katzenberger und Alban Peci, dazu Jona Köhler von der eigenen Jugend) zwischen 19 und 21, talentiert, ehrgeizig und mit Entwicklungspotenzial. Man wird sehen, wer eine Verstärkung und echte Konkurrenz zu den arrivierten Dellinger, Kleinhenz, Thomann, Schebak und Schmidt plus Julian Grell als Stand-by-Spieler sein wird. Francic erinnert indes daran, dass „das Sortieren nach Mittelfeld und Abwehr und so weiter bei mir keine Rolle spielt.“

Gerangel um die Bankplätze

In der Offensive hat Francic durch diese von ihm favorisierte Flexibilität mit dem Bayernliga-Torschützenkönig Thomann, Schmidt, Bieber, Kraus, Schebak, Pitter plus dem einen oder anderen Jungspund eine große Auswahl „und die nötige Konkurrenz, um Druck auszuüben auf gewisse Spieler, die diesen Druck brauchen.“ Die acht U23-Spieler („Ben Müller ist am weitesten“) können sich entweder für die Startelf anbieten oder für die vier U23-Plätze auf der Bank. „Es wird auch Schockmomente für den einen oder anderen geben, weil von den 16 erfahrenen Spielern drei übrig bleiben werden wegen der U23-Regel für die 18 Spieler auf dem Spielberichtsbogen. Ich habe diese Regel nicht erfunden.“

Pitter macht Druck auf Dellinger

Von den Neuzugängen, so Francic, habe Timo Pitter sofort auf sich aufmerksam gemacht und sich rasch eingelebt. „Er ist sehr intelligent und hat unser Pressing-System und schnelle Spieleröffnung verinnerlicht. Er kommt in jedem Spiel in mehrere Situationen im Strafraum, um selbst zu schießen oder vorzulegen. Er kann, was sehr positiv ist, auf Mike Dellinger Druck ausüben, der diesen braucht, um auf 120 Prozent zu kommen.“ Christopher Bieber, „unser neuer Julian Grell“, macht das, was ein Strafraumspieler machen muss. „Er kann die Bälle halten, sie vorlegen, ist kopfballstark, löst sich gut und sucht wie einst Oli Merkl mit der Bewegung in den Ball hinein den Torabschluss. Mit ihm sind wir noch variabler aufgestellt. Er strahlt Sicherheit und Erfahrung aus und kommt überragend gut mit den Leuten aus, vom Torwart bis zum Platzwart. Er hat sich sofort integrieren lassen von den Führungsspielern Leicht, Dellinger und Grader. Du spürst als Trainer draußen, dass die da drinnen sich mit ihm verstehen.“

Es bleibt bei drei Einheiten

Francic hat in der Vergangenheit gute Erfahrungen in der Führung mit der flexiblen Länge der Leine gemacht und seinen Spielern, bei wem es nicht anders ging, auch während der Vorbereitung einen Kurzurlaub mit Hausaufgaben gewährt. „Während andere Väter mit Kindern zwei Wochen in den Pfingstferien Urlaub machen, war er bei uns auf fünf Tage begrenzt. Das Pensum hat jeder nachgearbeitet.“ Auch in der Regionalliga wird man bei drei Trainingseinheiten pro Woche plus eine freiwillige bzw. verordnete Einheit zur Regeneration in einem Fitness-Studio bleiben.

Man ist sich aber bewusst, dass andere Teams sechs bis sieben Mal die Woche trainieren. „Wir werden auf viele Spieler treffen, die seit ihrem 13. Lebensjahr unter Profibedingungen trainieren. Die bringen eine Distanz mit, die auch nicht durch sechs Einheiten aufzuholen ist“, sagt Francic. Seine Spieler gehen alle einem Vollzeit-Job nach. „Was man aus Amateuren rausholen kann, haben wir herausgeholt. Die Jungs haben eine Fitness, mit der wir sie in die Runde schicken können.“

Die Favoriten? 05 und Türkgücü

Jetzt müsse man sich an das Tempo der neuen Liga anpassen, Konzentrationsfehler minimieren „und wahrscheinlich müssen wir rotieren, wenn wir merken, dass die Kräfte nachlassen.“ Eine führende Rolle traut Francic Türkgücü München zu, „die sich nur Zweit- und Drittliga-Spieler geholt haben. Die wollen angeblich bis in die zweite Liga. Natürlich auch Schweinfurt 05, das sein Ziel Dritte Liga klar formuliert hat. Von den anderen weiß ich zu wenig.“

Auch ein 0:0 kann ein Erfolg sein

Und der TSV Aubstadt? „Wir haben großen Respekt vor der Liga. Ich beschäftige mich nicht mit Punkten oder Tabellenplätzen. Wir müssen und mental und physisch so gut vorbereiten, dass wir frisch und selbstbewusst in jedes Spiel hineingehen. Es werden harte Zeiten kommen. Nach Schalding-Heining müssen wir früh um 10 Uhr los und kommen nachts um 3 Uhr heim. Es werden Rückschläge kommen. Meine Aufgabe wird es sein, immer für eine positive Stimmung zu sorgen. Wir werden lernen müssen, auch mal ein 0:0 als einen Erfolg anzusehen.“

„Es wäre unfair, wenn man die Möglichkeiten anderer Vereine sieht, uns ein Messer auf die Brust zu setzen. Wir und das Umfeld im Verein werden es nicht machen. Erfolgreich werden wir gewesen sein, wenn wir ohne Verunsicherung durch das vorherige in das nächste Spiel gehen und alles gegeben haben. Dann werden wir nämlich Leistungen zeigen, wo die Zuschauer nach Aubstadt kommen und wissen, es wird wieder spannend, weil sie alles geben und dem Gegner das Leben schwer machen.“