Meiningen

Demonstration: Meininger gehen für die Demokratie auf die Straße

Plakate machten den Unwillen der Meininger deutlich und zeigten, was sie von der Wahl Thomas Kemmerichs zum ...

"Wir haben auch in Geschichte aufgepasst...  Rettet unsere Demokratie... stoppt die AFD... Achtung AFD-Pest im Landtag... Für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung in einem demokratischen Land, Thüringen mit Bodo Ramelow... oder FDP Falsche Deutsche Politik." So stand es auf Plakaten, die am Samstagnachmittag bei einer kurzfristig angesagten Kundgebung am Meininger Marktplatz offensichtlich in aller Eile angefertigt worden waren.

Die Demonstration erinnerte an die Zeit um 1989, als an der gleichen Stelle vor der Meininger Stadtkirche die Menschen mit Kerzen in der Hand standen und riefen "Wir sind das Volk!" Darauf verwies auch Ulrich Töpfer, Sprecher des Bündnis für Demokratie und Toleranz. "Die Meininger sind, wie immer, wenn es angebracht ist und brennt, zur Stelle," sagte Ulrich Töpfer gegenüber dieser Zeitung. Er war es auch, der vor 30 Jahren die Montagsgebete in Meiningen auf den Weg brachte.

800 Bürger demonstrierten

Immerhin waren an die 800 Menschen gekommen, um gegen die Wahl des FDP-Politikers zum Ministerpräsidenten von Thüringen, Thomas Kemmerich, ihren Unmut zu zeigen und Neuwahlen im Thüringer Landtag zu fordern. Bereits zwei Stunden nach ihrer weiteren Forderung, Thomas Kemmerich müsse sofort zurück treten, tickerte die Eilmeldung über die Medien: Kemmerich tritt aufgrund des hohen Drucks mit sofortiger Wirkung zurück.

In den kurzen Reden auf dem Marktplatz wurde immer wieder auf ein Komplott im Thüringer Landtag hingewiesen. MdL Patrick Beier (Die Linke) sagte:"Es ist bekannt: Die Thüringer wollen Bodo Ramelow. Das war von langer Hand geplant, diese Wahl war kein Zufall."  Immer wieder wurde die Befürchtung laut, dass, sollte Kemmerich im Amt bleiben, die AFD gestärkt würde. Immer wieder wurden die Redner von Beifall oder Zwischenrufen unterbrochen.

Wehret den Anfängen

Andrea Jakob vom Museum in Meiningen sprach eine Ausstellung an in der auch die Zeit ab 1924 angesprochen wird. Die Ereignisse, die sich derzeit in Thüringen und konkret in Erfurt abspielen, würden an die Anfänge des Nationalsozialismus erinnern. Andrea Jakob: "Die Geschichte scheint sich zu wiederholen. Wehret den Anfängen."

Eine weitere Rednerin machte deutlich, dass man mit den Ereignissen in Erfurt kein Land zusammenführen könne. Man müsste dies im Keim ersticken. "Allerdings müssen wir wissen, dass es schon keimt und wächst!" Deshalb sei es wichtig, dass die Thüringer ihren Protest auf die Straßen tragen. Erfreulich sei, wie in Deutschland die Menschen zu den Demos in Thüringen und den Menschen hier stehen. Was in Erfurt passiert ist, ist ein Skandal. "Lasst uns wachsam sein!", rief sie.

Schilderwald bei der Demonstration am Stadtplatz in Meiningen vor der Stadtkirche.

Keinen Millimeter nach rechts

Ulrich Töpfer erinnerte an die Demonstrationen für Demokratie, Freiheits- und Menschenrechte, gegen das Fortbestehen der Diktatur vor 30 Jahren. "Die friedliche Revolution sollte der Beginn des Aufbaus der Demokratie in unserem Land sein, auch damit nie wieder die Ideologie, die den Verbrechen der Nazis zugrunde lag, Raum gewinnt. Ich muss feststellen: Das haben wir nicht geschafft!" Die Vergangenheit werde verharmlost und von einem Denkmal der Schande gesprochen, das an die Verbrechen der Nazis, an den Holocaust erinnern soll.

Keiner im Thüringer Landtag könne sagen, dass er das nicht wisse, schließlich sitze man mit der AFD zusammen und mache Politik. Nach der Wahl Kemmerichs zum Ministerpräsidenten habe keiner so richtig die politische Verantwortung übernehmen wollen. "Herr Kemmerich muss umgehend zurück treten und wir fordern Neuwahlen, die  den Thüringern die Chance geben, neu zu überdenken, welchen Abgeordneten sie in Zukunft das Vertrauen schenken." Es sei deshalb wichtig weiterhin und mit Nachdruck für Demokratie, für unteilbare Menschenrechte und die Würde aller Menschen zu streiten. "Keinen Millimeter nach rechts! Gegen Hass und Hetze!"

Die verschiedenen Plakate machten den Unwillen der Thüringer, konkret der Meininger, deutlich und zeigten, was sie ...