Bad Neustadt

Glosse: Windfähnchen

Minderheiten stehen in der Heimat unter besonderem Schutz. Genau wie Birkhühner. Nehmen Sie unsere Windkraftgegner. Obwohl sich die Mehrheit im Landkreis klar zu Klimaschutz bekennt, haben "Gegenwindler" die Fertigstellung der Windkrafträder bei Wülfershausen jetzt wohl endgültig gekippt. Sie können stolz darauf sein. Die Klimaschutzverweigerer dieser Welt, zu denen bekanntlich auch Donald Trump zählt, fühlen sich durch solche Erfolge ermutigt. Gemeinsam sind sie stark.

Die Leserbriefe der letzten Wochen erlauben tiefe Einblicke in ihre Gedankenwelt. Von "Würde" war da die Rede, von "emotionalen Wellen" und "Ängsten", die es zu "heilen" gilt. Du liebe Güte! Ein typischer Windkraftgegner duldet keine Störung der ländlichen Idylle. Keine Kraftwerke, keine Windräder, keinen SuedLink. Weit weg schon - aber vor der Haustür nicht. Er fürchtet, dass ihm riesige Propeller die Aussicht verderben.

Offiziell nennt er natürlich andere Gründe. Immer die gleichen: Vogelschutz und Infraschall. Alles wissenschaftlich bewiesen. Die Jungen sind eher für Windkraft. Kein Wunder! Sie erleben hautnah, wie die unerbittlich voranschreitende Erderwärmung ihre Zukunft zerstört. Sogar die mutigen CSU-Bürgermeister der betroffenen Gemeinden sind für die Fertigstellung, was unser aller Respekt verdient. Ebenfalls dafür sind Vertreter der Industrie, des Bauernverbandes, der Kirchen, des Naturschutzbundes und der Aktivisten von Fridays for Future. In seltener Eintracht fanden sich diese Stützen der modernen Gesellschaft jüngst zu einer Pro-Windkraft-Kundgebung zusammen.

So richtig dagegen sind eigentlich nur noch ein paar unmittelbar Betroffene. Eine Minderheit! Genau wie überall. Sie verbreiten den Mythos, sie hätten geltendem Recht zum Durchbruch verholfen. Das ist natürlich Quatsch. In Wahrheit haben sie nur den Baubeginn so lange verschleppt, bis es den genehmigten Anlagentyp nicht mehr gab. Zum Wohl der Menschheit. Global denken - lokal handeln. Und das Landratsamt unseres schönen Industriestädtchens unterstützte sie dabei. Aber nur "undercover"! Der Kampf gegen Windmühlen verbindet!

Das Argument, der Windpark zwischen Streu und Saale arbeite "unrentabel", entbehrt jeder Grundlage. Die Ergebnisse der Anlage entsprechen den Erwartungen. Und wer glaubt, dass nur die "Protestantischen" für die Energiewende beten, hat die Umwelt-Enzyklika "Laudato Si'" von Papst Franziskus noch nicht gelesen. Was sagt unser Landrat zur Windkraft? Das Gleiche wie seinerzeit zum Nationalpark: "Jein". Jetzt wundert er sich, dass er trotz seiner klaren Haltung zwischen allen Fronten geraten ist. Dabei hat er nur angedeutet, dass er persönlich nicht in heimatliche Windkraft investieren würde. Na und? Ob er in Biogasanlagen investiert? Sie gelten bekanntlich als wesentlich ineffizienter.

Im Grunde kann man ihm keinen Vorwurf machen. Er kopiert nur, was die CSU-Granden vormachen: Im Wahlkampf die "Waffel aufreißen" und dann vor maulenden Minderheiten einknicken. Vor den Hobby-Holzfällern, den Jägern oder eben vor den Windkraftgegnern. Seit Jahren immer das Gleiche: keine Visionen, kein klare Linie - nichts. Fähnchen im Wind!  Kein Wunder, dass die CSU bei der letzten Landtagswahl das schlechteste Ergebnis aller Zeiten eingefahren hat. Der Populist Horst "Drehhofer" lässt grüßen!

Aber es gibt noch eine Chance, das abgewürgte Projekt doch noch zu realisieren: Die Investoren könnten auf gebrauchte Windräder aus Norddeutschland zurückgreifen. Was für herrliche Aushängeschilder für Wülfershausen! Einen Nachteil hätten die schrottigen Teile allerdings: Sie würden bei Starkwind fürchterlich quietschen. Von wegen "Infraschall". Man muss sich das vorstellen!